Angefangen hat das Ganze an einem ganz gewöhnlichen Abend vor dem Fernseher, äh, YouTube. Ich bin über ein Video zum Thema Privacy gestolpert und dabei ist mir wieder mal schmerzhaft bewusst geworden, wie sorglos ich eigentlich mit meinen eigenen Daten umging: Fotos bei Google, Kontakte und Kalender bei Microsoft - obwohl ich privat schon seit über 15 Jahren fast ausschliesslich mit Linux unterwegs war. Der Widerspruch war mir vorher nie richtig aufgefallen.
In diesem Video wurde auch Self-Hosting angesprochen, was mich natürlich auf die Suche gehen liess und mich in eine ganze neue Welt von super interessanten Themen eintauchen liess. Dabei wurde immer wieder über erschwingliche Hardware für ein Homelab gesprochen – HP-Mini-PCs. Klar gibt es da draussen auch Leute mit viel gröberem Equipment, aber für den Anfang war das genau richtig. Damit war die Idee geboren.
Ich fand auf einer Occasions-Plattform einen neuwertigen HP-Mini-PC, rüstete etwas RAM und zwei NVMe-SSDs nach, und installierte Proxmox drauf. Der kleine Kasten läuft bis heute, nach über drei Jahren, immer noch wie ein Schweizer Uhrwerk. Mittlerweile stehen zusätzlich vier Raspberry Pis bereit, um in die Kubernetes-Welt einzutauchen - das steckt aber noch in den Kinderschuhen. Damals folgte auf Proxmox erst mal eine Ubuntu-VM mit Docker.
Der erste Container, den ich in Betrieb genommen habe: Radicale, ein CalDAV-/ CardDAV-Server für Kontakte und Kalender. Naheliegend, war das ja genau einer der Auslöser gewesen.
Und dann kamen, wie das so ist, die logischen Folgeprobleme gleich reihenweise: Wie mache ich das Ganze von aussen erreichbar, ohne mir gleich ein Sicherheitsloch einzuhandeln? Wie synce ich das aufs Handy? Auf den Geschäfts-Windows-PC? Auf den eigenen Linux-Rechner? Jede gelöste Frage hat im Grunde zwei neue aufgeworfen - und genau aus diesem Rattenschwanz ist über die Zeit das geworden, was inzwischen mein Homelab ist.
Die Privacy-Frage von damals ist seither nicht verschwunden, sondern über die Jahre eher noch ausgeprägter geworden. Meine Kinder nennen mich mittlerweile paranoid, Bekannte belächeln mich dafür - und ja, manchmal ist es umständlich und nervig kompliziert. Trotzdem ist es das für mich wert: Auf dem Handy läuft heute GrapheneOS, Mails laufen über Proton, meine Daten liegen auf dem eigenen NAS, Fotos in Immich, Dokumente in Paperless-ngx. Die Hoheit über meine Daten liegt bei mir - nicht bei irgendeinem Big-Tech-Konzern.